„Der Rücken ist der Tummelplatz der Seele“

Bei Rückenschmerzen lohnt ein ganzheitlicher Blick.
Indikationen
28. Mai 2018
Die Volkskrankheit Rückenschmerz kann viele Ursachen haben. Susanne Gramatté behandelt am Schmerzzentrum Berlin sowohl Patienten mit chronischen als auch mit akuten Schmerzen und weiß, wie wichtig die richtige Unterstützung für den Bewegungsapparat ist.

„Wir bewegen uns zu wenig, wir bewegen uns zu einseitig, wir bewegen uns falsch“ – so drastisch formuliert es Susanne Gramatté. Und sie weiß, wovon sie spricht: Als Fachärztin für Orthopädie und Chirotherapie arbeitet sie seit neun Jahren im Schmerzzentrum Berlin. Dort hat sie täglich mit Schmerzpatienten zu tun und versucht, die oft verzweifelten Menschen wieder in Bewegung zu bekommen. „Diese Menschen haben oft schon einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie zu uns ins Schmerzzentrum kommen.“

Lebensqualität zurückgeben

Die chronischen Patienten leiden meistens schon länger als sechs Monate an Schmerzen. Sie haben oft langwierige Behandlungen und Operationen durchgemacht. Es gibt aber auch akute Fälle, also Verletzungen durch Sport oder Alltagsbewegungen. „Allen unseren Patienten wollen wir ihre Lebensqualität zurückgeben, sie Stück für Stück zurück ins Leben bringen“, erklärt Gramatté.

„Rückenschmerz ist eine Volkskrankheit.“

Am häufigsten behandelt die Fachärztin Patienten mit Rückenschmerzen. „Das ist einfach eine echte Volkskrankheit. Natürlich behandeln wir hier Schmerzen am gesamten Bewegungsapparat – vom Fuß bis zum Kopf bis zur Hand –, aber der Rückenschmerz ist tatsächlich sehr weit verbreitet und hat eben auch Auswirkungen auf viele andere Bereiche“, erklärt sie.

Ein großer Vorteil bei der Behandlung ist Gramattés vielschichtige Qualifikation: Die Orthopädin hat zusätzliche Ausbildungen in der Chirotherapie und in der Schmerztherapie. „Schmerzpatienten sind einfach spezielle Patienten, die auch etwas mehr Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl erfordern. Wir arbeiten hier mit verschiedenen Fachrichtungen zusammen und wollen die Menschen ganzheitlich betrachten und den Ursachen auf den Grund gehen“, erklärt sie. Dafür ist es auch notwendig, die Patienten erzählen zu lassen, die Geschichten hinter den Schmerzen anzuhören und so herauszufinden, welche Therapie die passende ist.

Schmerzauslöser im Rücken

Bewegung ist ein Fokusthema, denn wenn wir uns nicht ausreichend und richtig bewegen, verkürzen bestimmte Partien unserer Rückenmuskulatur, verspannen und werden dann natürlich auch schmerzhaft. Doch noch ein weiterer Faktor spielt eine große Rolle: Stress. „Jeder hat Stress, man muss ständig erreichbar sein, ständig verfügbar sein, wir müssen immer fit sein und funktionieren“, so Gramatté. „Das führt dazu, dass wir innerlich auch schon völlig verspannen, und deswegen ist es wichtig, dass man Verfahren entwickelt, gemeinsam mit dem Patienten, wie man das Problem lösen kann.“

„Bewegung ist Lebensqualität.“

Mit einer Tablette oder einer Injektion ist es da oftmals nicht getan. Im Gegenteil – so werden Schmerzen kurzzeitig gelindert, allerdings ist die Ursache noch immer vorhanden. Es ist darum enorm wichtig, durch passende Bewegung und Entspannungstechniken alles wieder in Einklang zu bringen, um eine echte Linderung für die Patienten zu erreichen. „Bewegung ist eben einfach auch Lebensqualität. Wenn ich zum Beispiel einen richtig stressigen Tag hatte, dann laufe ich mir den Kopf frei“, erzählt die Orthopädin. „Sport ist für mich extrem wichtig. Je mehr ich für mich selbst tue in Form von Sport, von Bewegung, desto besser geht es mir, desto besser funktioniere ich auch wieder im Alltag.“

Konservativer Behandlungsweg

In Gramattés Augen wird in der Schmerztherapie hingegen zu häufig invasiv gearbeitet: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Operationen sehr hilfreich sein können, aber die Indikation muss stimmen – in manchen Fällen tut sie das nicht“, erklärt die Fachärztin. „Deswegen habe ich mich bewusst für einen konservativen Behandlungsweg entschieden. Das heißt, ich muss sehen, was ich mit meinen Händen schaffen kann oder eben auch medikamentös. Dazu kommen Rückenorthesen und -bandagen, die aus der modernen Therapie nicht mehr wegzudenken sind.“

Dabei sind diese Hilfsmittel nicht immer so positiv gesehen worden: Patienten wurde zum Teil eingeredet, dass ihre Muskulatur durch das Tragen von Bandagen und Orthesen verkümmern würde, oft hatten sie dann Angst und haben tatsächlich darauf verzichtet. Als Resultat führte dann die mangelnde Bewegung zu muskulären Schwächen.

„Orthesen sind ein großer Stützpfeiler unserer Therapie.“

Unnötige Operationen vermeiden

Moderne Bandagen und Orthesen unterstützen sogar zusätzlich die Muskulatur, geben neue Anregungen und fördern die Durchblutung. So können sie den Regenerationsprozess – auch von entzündlichen Erkrankungen, wie zum Beispiel am Sehnenapparat – gut fördern. „Sie sind ein großer Stützpfeiler unserer Therapie. Wir wollen mit ihrer Hilfe verhindern, dass vielleicht unnötige Operationen durchgeführt werden, und wollen als erste Maßnahme das muskuläre Gerüst wiederherstellen und stabilisieren“, so Gramatté. „Unsere Patienten sind dankbar für die Unterstützung sowohl während des Heilungsprozesses, aber auch später während der Bewegung.“

Wie oft und wie lange Bandagen und Orthesen getragen werden sollten, ist ganz unterschiedlich und muss immer individuell abgeklärt werden. „Es gibt Tage, an denen es uns besser geht, da brauchen wir vielleicht weniger eine Orthese oder eine Bandage, und es gibt Tage, an denen es uns schlechter geht, da brauchen wir sie wieder mehr“, so die Orthopädin. Die Hilfsmittel geben dann Halt – im wahrsten Sinne des Wortes – und auch Zuversicht. „Es geht darum, dass man sich auch wieder mehr bewegen kann, dass man seinen eigenen Aktionsradius auch wieder ausloten kann und sich sicher fühlt, dass man keine falsche Bewegung macht oder in eine Fehlbelastung kommt“, erklärt sie weiter.

SacroLoc stützt das Becken

Eine ganz spezielle Rückenorthese ist die SacroLoc, weil sie den Beckenring in sich stabilisiert und gerade im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk viel Stabilität gibt. „Das ist ein Bereich, der hauptsächlich Beschwerden macht bei unseren Patienten. Wenn es zu einer Instabilität kommt, gerade im Beckenbereich, dann führt das zu Schmerzen“, verdeutlicht Gramatté. „Die Pelotten der Rückenorthese drücken so auf die Iliosakralgelenke, dass diese sich nicht mehr weiter verschieben können, dadurch bleibt auch der Schmerz aus.“

„Die SacroLoc bietet maximalen Komfort für die Patienten.“

Der Druck der Pelotten kann zusätzlich unterschiedlich eingestellt werden, die Patienten können dann ganz individuell entscheiden, wie es für sie persönlich am angenehmsten ist. Ein weiterer Vorteil der Rückenorthese: Sie ist im Bauchbereich vergleichsweise schmal geschnitten, der Druck auf den Bauchraum wird somit minimal gehalten, und die Orthese verrutscht nicht in der Bewegung: „Die Orthese hat einen sehr sicheren Sitz. Wenn man sie einmal angelegt hat, kann man sich damit bewegen, bücken, setzen – das bedeutet einfach maximalen Komfort für die Patienten.“

Wichtig ist es auch, sich gleich zu Beginn der Therapie Zeit zu nehmen und den Umgang mit Bandage oder Orthese zu lernen. Wie sollte die Bandage genau sitzen? Wie fest muss sie sitzen? Worauf ist bei der Pflege zu achten? Das alles sind Fragen, die gemeinsam mit dem Arzt, Therapeuten oder auch mit Fachkräften im Sanitätshaus geklärt werden können. Dann kann eine Bandage oder Orthese im Alltag eine echte Stütze sein.

SacroLoc®

> Stabilisiert das Becken und richtet es auf
> Lindert Schmerzen und löst Verspannungen
> Entlastet die Iliosakralgelenke und den lokalen Bandapparat