„Es war ein innerer Ruf, dem wir gefolgt sind“

Familie Probst nahm in Asien Abstand vom Alltag und fand dabei ein neues Leben.
Selbstverwirklichung
23. Juli 2019
Melanie und Dennis reisten mit ihren Kindern mehrere Monate durch Asien. Unterwegs entschieden sie, dass ihr bisheriges Leben fortan anders aussehen sollte.

Dem Hamsterrad des Alltags entkommen

Nach der Geburt ihres dritten Kindes beschlossen Melanie und Dennis Probst, den Alltag hinter sich zu lassen und ihre Elternzeit für eine längere Reise zu nutzen. „Wir spürten, dass die Zeit jetzt oder nie sei, uns eine Auszeit als Familie zu gönnen“, berichtet das Paar. Sie wollten vor allem eine intensive Zeit als Familie erleben und eine neue Perspektive auf ihr Leben einnehmen. „Wir hatten als Familie Lust auf ein gemeinsames Abenteuer“, sagt die 38-jährige Melanie. „Und wir wollten uns die Frage stellen, wie wir gerne leben möchten. Im Alltag gehen solche Fragen schnell unter.“

Vor der Reise lebte die Familie in Mainz, wo Melanie ein eigenes Yogastudio führte und Dennis als Lehrer arbeitete und lange beim 1. FSV Mainz 05 Fußball spielte. Die Entscheidung für die längere Auszeit fiel eher spontan: „Zwischen dem ersten Gedanken an die Reise und dem Check-in nach Bangkok lagen elf Monate“, berichtet der 40-jährige Dennis. Die Familie reiste fünf Monate lang durch Thailand, Nepal und Indonesien. Die Kinder waren zu diesem Zeitpunkt acht und fünf Jahre sowie sechs Monate alt.

In anstrengenden Momenten besannen wir uns auf unsere Motivation für die Reise.

Achtsam in stressigen Situationen

Eine solche Reise mit kleinen Kindern kann zwischenzeitlich auch mal ziemlich anstrengend sein und stellte das Paar vor einige Herausforderungen: „Wir waren täglich 24 Stunden zusammen, und drei Kinder in verschiedenen Altersphasen erfordern viel Aufmerksamkeit. Da kam die Zeit für uns selbst oder als Paar manchmal zu kurz“, erzählen sie. Gerade in anstrengenden Momenten besannen sie sich aber auf ihre Motivation für die Reise. Auch ein achtsamer Umgang mit sich selbst und den Kindern half unterwegs. „So konnten wir stimmige Entscheidungen treffen und auch Gelassenheit, Ruhe und Vertrauen in besonders herausfordernden Momenten entwickeln“, berichtet Melanie.

Ein Neuanfang als Familie

Die Erwartungen, die die Familie vorab an ihre Asienreise hatte, wurden alle mehr als erfüllt. Sie konnten die Zeit als Familie intensiv nutzen und gemeinsame Abenteuer erleben, lernten inspirierende Menschen kennen und krempelten schließlich ihr ganzes bisheriges Leben um. „In Nord-Thailand lernten wir eine Familie aus der Schweiz kennen. Sie erzählten uns von ihrem Leben im Seeland, und dann ging alles ganz schnell“, erzählen sie. Die beiden beschlossen, ihre Zelte in Mainz abzubrechen und mit ihren Kindern in die Schweiz zu ziehen. „Es gab ein paar rationale Gründe, wie etwa die Lust auf Natur und Abenteuer, aber viel mehr war es ein innerer Ruf, dem wir gefolgt sind“, berichtet Dennis begeistert.

Nach der Reise blieb die Familie nur noch vier Wochen in Mainz, um alles für den Umzug vorzubereiten. Seit Juni 2018 wohnen sie nun in der Schweiz. „Wir sind aus Mainz mit all unseren Sachen los, ohne Wohnung, Job oder Aufenthaltserlaubnis. Wir hatten nur ein Zelt auf einem Campingplatz und nach der Reise auch nur noch sehr wenig Geld für einen Neuanfang“, berichten die beiden. „Das klingt jetzt im Nachhinein schon verrückt, kam uns währenddessen aber gar nicht so vor.“

Die Erfahrungen haben uns wachsen lassen.

Auf ihre Reise und den Neuanfang blicken Melanie und Dennis voller positiver Erinnerungen: „Der ganze Weg und die Erfahrungen haben uns wachsen lassen“, sagen sie. Sie würden jederzeit wieder den Neuanfang wagen. „Wir sollten keine Angst davor haben, zu scheitern. Es gibt keine Grenzen, sondern nur Umstände, an denen wir wachsen können“, sagen sie. „Unser Leben fühlt sich seit der Reise richtig spannend an, an jedem einzelnen Tag prickelt es.“