„Ich fühle mich sicher und stabil“

Andrea Limbacher hat wieder Spaß am Skicross.
Selbstverwirklichung
30. Januar 2018
Als Profisportlerin weiß Andrea Limbacher, was es heißt zu kämpfen. Ihr Weg zurück zum Skicross nach mehreren schweren Verletzungen war nicht einfach. Gegangen ist sie ihn trotzdem – mutig und mit ihrem Ziel fest im Blick.

Für Sportler ist es die Höchststrafe, nur Zuschauer sein zu dürfen. Zuzusehen, wie andere das Spiel spielen oder das Rennen fahren, auf das man sich monatelang vorbereitet hatte, für das man alles geben wollte – um dann doch wieder von einer schmerzhaften Verletzung ausgebremst zu werden.

Unfall im Training

Eine, die diese Erfahrung schon mehrmals im Laufe ihrer Karriere gemacht hat, ist Andrea Limbacher. Die Skicross-Weltmeisterin weiß, was es bedeutet, im letzten Moment alles zu verlieren. Sie hatte bereits einige Verletzungen hinter sich, als es erneut zum Schlimmsten kam: „Das war beim Riesenslalom. Beim Abschlusstraining – ich wollte noch mal einen Kraftblock einlegen – kam es dann zur Verletzung“, erzählt Andrea.

Eine falsche Bewegung, ein unglücklicher Moment, und alles änderte sich. „Ich hab im ersten Moment nicht geglaubt, dass das jetzt ein Kreuzbandriss ist. Aber leider hat mein Arzt die Befürchtungen später bestätigt. Das Band war durch.“ Andrea erlitt eine schwere Knieverletzung: ein Kreuzbandriss und eine Innenbandzerrung im linken Knie. Schnell war klar, dass sie operiert werden musste.

Ein Kreuzbandriss ist der Worst Case.

Erfolgreiche Skicross-Saison

Zu dieser Zeit lief es für die Österreicherin eigentlich wie am Schnürchen. Andrea konnte auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken, hatte sehr gute Ergebnisse erzielt und wollte um den Gesamtweltcupsieg kämpfen. Sie war bis dahin alle Rennen verletzungsfrei gefahren, umso mehr schockte sie der Unfall.

Denn für Profi-Skifahrerinnen wie Andrea stellt ein Kreuzbandriss den Worst Case dar​: Physisch und mental bedeutet eine solche Verletzung einen absoluten Tiefpunkt​. Die Skicrosserin musste ihr Comeback also vorerst verschieben. Stattdessen lag jetzt ein langer und beschwerlicher Genesungsweg vor ihr.

Dabei war es ihr besonders wichtig, diesen Weg schrittweise zu gehen und ihrem Körper nicht zu schnell zu viel zuzumuten. „Es gibt viele kleine Highlights – das erste Mal wieder Rad fahren, die erste Kniebeuge –, diese Schritte muss man wahrnehmen und sich bewusst machen, dass es wieder bergauf geht. Jeden Tag ein bisschen weiter“, sagt die Skifahrerin.

Wieder mobil werden

Langsam wieder in die Bewegung zu kommen und Stück für Stück wieder mobil zu werden hat von Andrea aber auch Geduld gefordert. „Es war natürlich ein enormer Tiefschlag, ich wollte ja unbedingt an den nächsten Wettkämpfen teilnehmen“, erzählt sie. „Das war von Anfang an mein Ziel, und dafür habe ich seitdem gearbeitet.“

Sich ein Ziel zu setzen, auf das man konkret hinarbeiten, hintrainieren kann, ist enorm wichtig nach einer schweren Verletzung. „Dann bleibt man in seinen Gedanken auch positiv, und das hilft natürlich dabei, dass es schnell wieder aufwärtsgeht.“

Knieorthesen und -bandagen stützen und entlasten

Trotzdem ist oft mehr notwendig als nur der gute Wille, um es zu schaffen. Muskeln müssen neu aufgebaut und gestärkt werden, Gelenke und Bänder müssen gestützt und entlastet werden. Dafür sind Knieorthesen und -bandagen die erste Wahl.

Die Bandage war optimal für das Training in der Reha.

Sie stabilisieren, ohne dabei die erforderliche Bewegungsfreiheit für das Aufbautraining einzuschränken. Sie helfen auch dabei, wieder Vertrauen in die Belastbarkeit zu fassen, in die Bewegung zurückzukommen. Und sie geben Halt, auch mental: „Mit der Knieorthese habe ich schon im Krankenhaus meine ersten Schritte gewagt. Aber auch danach habe ich sie noch lange getragen, vor allem draußen, wo die Gefahr bestand, dass ich ausrutsche. Die hat mir da richtig Sicherheit gegeben“, erzählt die Österreicherin. „Später dann in der Therapie hab ich eine Kniebandage genutzt, dadurch hatte ich Stabilität und auch ein wenig Kompression. Das war optimal für das Training in der Reha.“

Meine Beine sind echt cool, und Ski fahren macht gerade richtig Spaß.

Der Blick nach vorne

Bei Andreas Therapie ging es im ersten Schritt darum, dass ihr Knie durchmobilisiert wird. Dann ging es an den Kraftaufbau in den Beinen und im Oberkörper. „Ich habe einen super Trainer gehabt und ich glaube, ich bin körperlich echt in einem sehr guten Zustand. Meine beiden Beine sind echt cool, und Ski fahren macht richtig Spaß zurzeit“, freut sie sich.

Dafür, dass sie heute wieder so viel Spaß am Skicross hat, ist Andrea auch ihren verschiedenen Partnern dankbar. Der Österreichische Skiverband ÖSV zum Beispiel begleitet sie schon viele Jahre. Und auch ihre Familie spielt eine große Rolle im Leben der 28-Jährigen: „Das ist unheimlich wichtig, dass man Partner an der Seite hat, die dich in schlechten Situationen oder einfach bei Tiefpunkten unterstützen, dir zur Seite stehen, an dich glauben“, sagt Andrea. „Ich bin froh, dass ich diesen wichtigen Menschen in meinem Leben schon was zurückgeben konnte und ihnen auch weiterhin ein bisschen damit danken kann, dass ich hoffentlich bald eine weitere erfolgreiche Saison fahren werde.“