"Ich hatte Zweifel bei der Existenzgründung"

Der Wunsch selbständig zu arbeiten, war aber größer
In Balance
9. Januar 2017
Nach der Geburt ihrer Tochter kehrte Angela Schmidt zurück in ihren Beruf als Assistentin der Geschäftsführung. Etwas Entscheidendes hatte sich jedoch geändert: Job und Kind unter einen Hut zu bekommen, gestaltete sich schwieriger, als gedacht.

Bei Angela Schmidt war es so, wie bei vielen Frauen – nach der Elternzeit ging es zurück in den Arbeitsalltag. So weit so gut. Aber was machen berufstätige Eltern, wenn die Kinderbetreuung überraschend ausfällt oder das Kind krank wird? Es ist Murphys Gesetz, dass genau an so einem Tag am Arbeitsplatz der Bär steppt – Präsentationen, Geschäftsreisen und Abgabetermine. Wenn dann keine Großeltern in der Nähe leben, wie es bei Angela Schmidt der Fall war, kann ein Betreuungsproblem entstehen, das schnell in purem Stress ausartet. Denn neben dem Anspruch für sein Kind da zu sein, haben berufstätige Eltern auch Verpflichtungen im Job, die meist nicht einfach von jetzt auf gleich wegorganisiert werden können.

KINDERNOTFALLBETREUUNG: ALLE REDEN DAVON. WIR TUN ETWAS DAFÜR.

Die „Notfallmamas“

Im Juni 2012 in Hamburg gegründet, ist die Mission der Notfallmamas, professionell, kurzfristig und unkompliziert im Betreuungsnotfall einzuspringen. Das Team besteht aus Kinderkrankenschwestern, Tagesmüttern und Erzieherinnen. Eine Notfallmama kommt nach Hause und betreut das Kind in seiner gewohnten Umgebung. Aber auch in Unternehmen kommen Notfallmamas zum Einsatz – eine familienfreundliche Unternehmenskultur wird immer wichtiger und das Team von Angela Schmidt trägt seinen Teil dazu bei.

KINDERNOTFALLBETREUUNG: ALLE REDEN DAVON. WIR TUN ETWAS DAFÜR.

Die Gründerin der „Notfallmamas“ hat genau so eine Erfahrung, nach der Rückkehr aus der Elternzeit, gemacht: Ihre Tochter wurde krank und Angela Schmidt fiel, unmittelbar nachdem sie gerade erst aus der Elternzeit zurückgekehrt war, drei Wochen aus.

Das ist natürlich kein optimaler Wiedereinstieg

Der Ausfall direkt nach der Elternzeit hat Angela Schmidt in die Realität des Arbeitslebens zurück katapultiert. Für sie war das mehr als nur ein unangenehmer und nicht gerade optimaler Wiedereinstieg, sondern auch der unmittelbare Auslöser dafür, dass sie darüber nachdachte, etwas in ihrem Leben zu ändern. Damals hat sie angefangen, nach Lösungen zu suchen: Neben der Tatsache, dass berufstätige Eltern in so einer Situation ein Betreuungsproblem lösen müssen, kommt hinzu, dass ein riesen Berg an Organisation zu bewältigen ist. Termine müssen verschoben, laufende Projekte an Kollegen übergeben werden und, und, und. Das Schlimmste in so einem Moment ist aber wohl die Tatsache, dass Eltern das Gefühl nicht loswerden, nichts und niemandem mehr gerecht zu werden. Im schlimmsten Fall kommt noch ein schlechtes Gewissen gegenüber den Kollegen hinzu, weil sie die Arbeit übernehmen müssen. In genau so einem Fall kommen die Notfallmamas zum Einsatz. Flexibel und spontan ist der Service – genau das, was Notfälle fordern.

DIE NOTFALLMAMAS ENTSCHÄRFEN SOLCHE SITUATIONEN, DENN SIE SIND DA, WENN NOT AN MAMA ODER PAPA IST.

Von der ersten Idee bis zur Umsetzung der „Notfallmamas“ verging etwa ein Jahr. An den entscheidenden Schlüsselmoment kann sich Angela Schmidt sehr gut erinnern. Sie war in genau so einer Notsituation und hat händeringend nach einer Lösung gesucht, um nicht ganze drei Wochen auszufallen. In diesem Moment ist ihr klar geworden, dass sie loslegen sollte. Die Idee war geboren und musste konkretisiert werden. Zum Anfang hat sie einen Businessplan geschrieben. Eine der größten Hürden auf dem Weg, ihren Traum zu erfüllen, war ganz klar die Finanzierung. Existenzgründungskredite zu bekommen, ist wirklich schwer, weil die Sicherheiten, die die Bank haben möchte, extrem hoch sind.

AUCH WENN MICH DER BUSINESSPLAN VIELE NERVEN GEKOSTET HAT UND MANCHMAL WIE EINE UNZUMUTBARE HAUSAUFGABE AUSGESEHEN HAT, HALF ER DOCH SEHR. VOR ALLEN DINGEN ,UM MIR DARÜBER KLAR ZU WERDEN, OB MEINE IDEE GELINGEN KANN.

„Am aller wichtigsten war es, am Ball zu bleiben! Sonst wäre meine ganze Anfangsenergie einfach verpufft“, erzählt Angela Schmidt. Der Mut und der Wille zahlten sich aus. Zuerst druckte sie Flyer, stellte das erste „Notfallmama„-Team in Hamburg zusammen und schaltete die Website online. Heute ist die Geschäftsidee nicht mehr nur in Hamburg zu finden, sondern auch in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Köln und München.

Mein größter Unterstützer war und ist definitiv mein Ehemann - und zwar in vielerlei Hinsicht.

Zum einen trug Angelas Ehemann zu Beginn die finanzielle Hauptlast, denn am Anfang des Geschäftsmodells waren keine Gewinne zu erwarten. Zum anderen war er aber auch ein wertvoller Sparringspartner: Er brachte bei der Konzeption des Businessplans die Sichtweise eines Mannes und die der Unternehmensseite mit ein. Die „Notfallmamas“ sind nicht nur ein Service, den Eltern privat in Anspruch nehmen können, sondern auch Unternehmen, die Wert darauf legen für ihre Mitarbeiter eine familienfreundliche Atmosphäre zu schaffen.

MIT DER SELBSTÄNDIGKEIT UND DER GRÜNDUNG DER "NOTFALLMAMAS" FÜHLE ICH MICH GROSSARTIG - DIE MISSION, DIE MEIN TEAM UND ICH JEDEN TAG ERFÜLLEN, MACHT MICH GLÜCKLICH.

Angela Schmidt hat sich in zweierlei Hinsicht einen Traum erfüllt: Zum einen hat sie den lang gehegten Wunsch, sich selbständig zu machen, realisiert. Sie spürt aber auch eine tiefe Zufriedenheit bei dem, was sie mit ihrem Team jeden Tag macht – Eltern in Stresssituationen entlasten und Druck von ihren Schultern nehmen. Dafür bekommen die „Notfallmamas“ jeden Tag viel zurück: glückliche und zufriedene Kinder – das wahrscheinlich Schönste an diesem Beruf!